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Aus der Geschichte der Stadt Gröbzig

von Otto Kappes

Seine erste urkundliche Erwähnung findet Gröbzig im Jahr 1176 in den Lehnbüchern der Erzbischöfe von Magdeburg unter dem Namen „Grobiske“.
Eine Nienburger Urkunde von 1291 bezeugt, dass Gröbzig als „Castrum Grobceke“ bereits eine befestigte Burganlage und Mittelpunkt eines Rechtsbezirks war. Das Amt oder „Gerichte to Grobtzk“ im Gau Serimunt entstand im 14. Jahrhundert, zu dem elf Dörfer im Umkreis gehörten.
Die erste Erwähnung des Schlosses geht auf 1392 zurück, die ältesten Teile der heutigen Stadtkirche St. Martin stammen aus dem 12. Jahrhundert, der Baubeginn des Rathauses war im Jahre 1572.
Im Jahre 1465 erhält Gröbzig durch Fürst Bernhard VI. von Anhalt Bernburg das Stadtrecht. Die Stadt bekommt ihren endgültigen Namen: „Gröbzig“
Im Jahre 1587 erhält Gröbzig das Marktrecht durch Fürst Johann Georg I. von Anhalt Dessau, worauf die Stadt jährlich zwei Jahrmärkte abhalten konnte.
Von 1663 bis 1670 erfolgte der Neubau der Stadtkirche unter Einbeziehung älterer Teile.
Bei einem Brandt am 13. Januar 1678 wurde der größte Teil der Gebäude der Stadt das Opfer der Flammen.
Das Rathaus, die Kirche und das Schloss blieben von der Feuersbrunst verschont.
Der Güterbesitz im Amtsbereich Gröbzig wechselte innerhalb einer Reihe von Adelsfamilien, bis im Jahre 1718 Leopold I. Dessau die Güter von der für Gröbzig bedeutenden Familie von dem Werder abkaufte.
Seit 1784 blieb das Schloss, bis auf die Kapelle unbenutzt, es verfiel allmählich und wurde schließlich abgetragen. Mit den Abbruchsteinen wurde u. a. die Mauer des jüdischen Friedhofs errichtet. An den ehemaligen Adelssitz erinnert heute nur noch der im Stadtbild dominante Schlossturm, im Volksmund „Mauseturm“ genannt, das Wahrzeichen der Stadt.
Juden haben in der Stadtgeschichte von Gröbzig über einen Zeitraum von beinahe 300 Jahren eine bedeutende Rolle gespielt. Durch die Lage der Stadt an der Grenze zwischen Anhalt, Preußen und Sachsen, bot Gröbzig günstige Vorraussetzungen für den Handel der jüdischen Kaufleute. Ausgang des 18. Jahrhunderts errichtete die Gröbziger jüdische Gemeinde, die auf 15 % der Bevölkerung angewachsen war, ihre Synagoge mit dem Kantorhaus und der Schule in der langen Gasse. Entschlossenen Gröbziger Bürgern ist es zu verdanken, dass das bereits als Heimatmuseum genutzte Gebäudeensemble 1938 in der Kristallnacht vor der Zerstörung bewahrt wurde. Heute erinnert der einzigartige historische Gebäudekomplex an das jüdische Leben in Gröbzig, es gibt wechselnde Sonderausstellungen und Veranstaltungen zur „Kunst im jüdischen Kontext“.
In der DDR bildeten sich mehrere Betriebe einschließlich sozialer Einrichtungen, die größten waren die Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft, der VEB Betonwerke, aus der Firma Eilfeld entstand der VEB Spinndüsenfabrik, die Firma Ernst Koch Schmuckwaren GmbH wurde in einen Betrieb des VEB Edelschmiede Zwickau umgewandelt.  Gröbzig entwickelte sich zum Industriestandort, die Einwohnerzahl betrug 3500.
Nach der politischen Wende 1989 erfolgte die Privatisierung, bzw. Reprivatisierung der Betriebe, die, folglich mit weit weniger Arbeitskräften, heute noch bestehen. Die Stadt erhielt 1994 ein hochmodernes Schulzentrum.
Seit dem 1. Jan. 2004 ist die Gemeinde Wörbzig mit zur Zeit ca. 400 Einwohnern Ortsteil von Gröbzig. Die Einwohnerzahl von Gröbzig beträgt heute um 3000 (einschl. der Ortsteile Werdershausen und Wörbzig).
Die Stadt Gröbzig wurde am 1. Jan. 2005 Teil der aus 21 Gemeinden bestehenden Verwaltungsgemeinschaft „Südliches Anhalt“, der Sitz der Verwaltung wurde Weißandt-Gölzau.
Am 18. Juni 2010 wurde die Stadt Gröbzig durch einen Beschluss des Landtages von Sachsen-Anhalt als ein Ortsteil der neu gegründeten Einheitsgemeinde „Stadt Südliches Anhalt“ zwangszugeordnet. Damit ging ein 545-jähriges Kapitel Gröbziger Stadtgeschichte zu Ende.

 
 

Unser Schlossturm